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    ROLF MILLER: Interview mit dem Halbsatz-Phänomen

    "Entscheidend ist das WIE, nicht das WAS!"

    Er ist einzigartig, er ist ein Phänomen – er ist einfach Rolf Miller, der Meister des Halbsatzes! Und diese Kunst pflegt er seit gut drei Jahrzehnten. Das es eine Kunst ist, davon können sich seine fränkischen Fans am 22. August 2020 im Rahmen der Comödien-Stadion-Tour live überzeugen. Denn Rolf Miller ist einer der Szene-Stars, die dem Ruf unseres Fürther Kult-Hauses gerne gefolgt sind und ihr Ja-Wort für einen Auftritt im Sportpark Ronhof I Thomas Sommer gegeben haben. Denn Rolf Miller hat ein großes Herz auch für kleinere Theater und er hilft gerne, wenn er kann, sagt der Mann aus dem Odenwald im Interview. Und das mit ganzen Sätzen!

    Fangen wir mal aktuell und ernsthaft an: Wie kommt Rolf Miller bislang durch die (w)irre Corona-Zeit?
    Erst Schockstarre – bei mir begann es auch noch am Freitag den 13. mit der Absage in Tauberbischofsheim. Dann die totale Entscheidung für die Satire. Am Text dranbleiben, jetzt erst recht. CD geschnitten, dass Programm „Keine Panik vermeiden“ begonnen (autobiographische Satiren...), dazu Theatern helfen.Und jetzt wieder auf Auftritte freuen!

    Darf ein Comedian, angesichts der weltweit vielen Infizierten und Todesfälle, Witze über das Covid-19-Virus machen?
    Durfte Roberto Benigni (italienischer Regieseur, Osker-Preisträger, die Red.) „Das leben ist schön“ machen? Ja! Warum: weil er es konnte. Entscheidend ist dabei das Wie, nicht das Was. KZ, Virus, Klima, Mensch, Tier, FC Bayern, Jürgen, Achim – Satire darf dann alles, wenn man weiss wie. Das heißt aber auch, man kann es falsch machen. Benigni hat eine Vater/Sohn-Geschichte gemacht, im KZ. Das KZ war gar nicht das Thema. Harald Schmidt hat 2001 im September über die Berichterstattung zu den Anschlägen in New York Satire gemacht, nicht über den Anschlag selbst. Heißt, man kann auch tricksen, und scheinbar über Covid-19 Satire machen, dabei macht man vielleicht über Verschwörungsanfälligkeit etwas. Die Frage ist immer: wo genau ist der satirische Gegenstand, also wo ist das Negative im Thema, wo läuft was schief, und da geht man dann rein.

    Blick zurück in Ihre Bühnen-Vergangenheit: Sie haben 2018 einen Auftritt im westfälischen Dorsten nach nur wenigen Minuten platzen lassen. Was war der Grund?
    Eine Frau hat dreimal verhindert, dass ich überhaupt anfangen konnte. Akustische Störung. Wie hätte ich überhaupt auftreten können. Shit happens. Das war sehr schade – und kam in 29 Jahren einmal vor. Ich lebe vom zuhören. Die Frau hat das Publikum gestört und nicht aufgehört.

    Würden Sie das nochmals tun? Oder sind Sie durch den Erfolg und die lange Bühnen-Erfahrung reifer und gelassener geworden?
    Man ist natürlich professionell und überspielt das normalerweise, das hab ich schon hundert mal gemacht. Im genau gleichen Fall würde ich beim nächsten Mal nach dem zweiten Mal abbrechen, nicht nach dem dritten wie in Dorsten. Ich bin übrigens dreimal abgegangen und habe den Auftritt komplett neu begonnen, was sich anbot, denn es war ja immer gleich in meinem Beginn. Ich habe sogar gefragt, ob Guido Cantz von „Verstehen Sie Spass“ da ist, und das war auch ernsthaft so gemeint. Irgendwann war aber klar, dass hier nichts zu machen war.

    Inzwischen gehen Sie vermehrt auch auf aktuelle Themen ein. Woher kommt die Inspiration für all diese zwischenmenschlichen „Kontroversen“?
    Warum mir das plötzlich leichter fällt, weiß ich nicht genau. Aber positive Routine durch Facebook-Clips und verschiedene TV-Auftritte vielleicht – wie bei „Asül für alle“ – könnten mich da etwas gelassener gemacht haben.

    Achim und Jürgen, zwei bekannte Figuren und Freunde von Ihnen, die in Ihren Programmen stets eine „tragende“ Rolle spielen...
    Ja, Achim, Jürgen und ich: im Grunde sind wir die personifizierte Dreifaltigkeit des Scheiterns. Aus der Kindheit heraus bis heute. Dadurch kann man Vitalität und Glaubwürdigkeit erzeugen.

    Was macht die beiden Typen so interessant und manchmal auch verdammt „sympathisch“?
    Wir wissen nicht, was wir sagen – und meinen es genauso. Also wir merken es nicht und können es nicht besser. Man verzeiht uns. Wir kommen aus dem Odenwald, können aber sprechen. Das Mitleid ist mit uns...

    Sie haben in „normalen“ Zeiten eine Menge Auftritte jedes Jahr, verteilt auf Orte in der ganzen Republik – auf Ihrer Werte-Skala: wo landet da Fürth und warum?
    Die Comödie Fürth ist mit dem Lustspielhaus München und dem Hofgarten Aschaffenburg ganz weit vorne. Man merkt, ob die betroffenen Verantwortlichen selbst die Bühne machen oder nicht. Also Kollegen und Leute vom Fach sind, was die Leitung anbelangt. Da stimmt dann alles im Detail. Till Hoffmann in Münschen, Axel Teuscher in Aschaffenburg und Fürths Marcel Gasde und ein paar andere sind eher die positiven Ausnahmen. (M.R.)

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