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    Kabarettist Mathias Richling im Interview:

    "Bestimmte Dinge nicht der
    Vergessenheit überantworten!"

    Comödie: Sie unterhalten seit gut vier Jahrzehnten als Kabarettist das Publikum. Am 3. März 2022 sind Sie zu Gast in Fürth – warum haben die Comödien-Fans so lange auf Mathias Richling warten müssen?
    Richling: Nein, es ist umgekehrt: Ich habe so lange auf die Comödien-Fans warten müssen. Ich wollte mich nicht aufdrängen und so habe ich geharrt, bis ich gerufen wurde. Und also werde ich jetzt endlich da sein. Was ich eigentlich schon letztes Jahr sein wollte. Aber ein Herr oder eine Frau Corona hat es unterbunden.

    Wie hat sich die Szene in dieser doch langen Zeit gewandelt? Und hat Social Media auf Kabarett und Comedy einen Einfluss?
    Gewandelt ist gut gefragt. Die Szene lag ja lahm. Was vor allem für junge Kollegen und kleine Theater ein riesiges Problem war und ist. Kollegen, die gegebenenfalls keine Unterstützung bekamen und keine Fernseh-Präsenz haben. Insofern stand alles, was diese Form von Kultur angeht, ganz am Ende des Interesses der Bundesregierung. Und was social media angeht, drückt sich da im Grunde nur eine Verschnellerung der Schnelligkeit an, die in Sehgewohnheiten, Konsum, Verbrauch und Tagesablauf schon lange üblich geworden ist. Wer dreihundert mal am Tag seine Emails abruft oder sogar Beschwerden von Mailenden bekommt, wenn er innerhalb von 30 Sekunden nicht antwortet auf eine Mail, der hat auch keine Zeit mehr, Beiträge zu verkraften, die länger dauern als das, was in social media in Umlauf ist. Das zwingt uns dazu, sich präzise und knapp zu formulieren. Was ich immer schon getan habe. Insofern kam mir social media gerade recht.

    Betrachten wir das Zeitgeschehen: Die Raute bleibt, aber Angela Merkel ist jetzt a.D. – wie sehr wird die ehemalige Bundeskanzlerin Ihnen fehlen?
    Wie sehr, das kann man wirklich so nicht beantworten. Zu 40% oder 60% oder nur zu einem Prozent? Auch das Vermissen, wenn es denn eines gibt, wird sich ständig ändern. Ihre Unaufgeregtheit wird sicher beispielhaft bleiben. Aber ihre Politik, auf Ereignisse eher zu reagieren, als kreativ zu agieren, bevor die Ereignisse passieren, wird gewiss nicht weiter erwünscht sein.

    Wie haben Sie das ganze Geplänkel während des Wahlkampfes erlebt? Für einen Kabarettisten doch eine wahre und unerschöpfliche Inspirationsquelle, oder...?
    Ja.

    Ihr Programm ist aktuell und mit #2022 betitelt – gibt es dennoch auch eine kleine Nachbetrachtung der Geschehnisse aus dem Vorjahr?
    Soweit die Geschehnisse aus dem Vorjahr sich auswirken auf die laufende Zeit, auf jeden Fall. Man sollte auch in der Satire bestimmte Dinge nicht der Vergessenheit überantworten, ohne deswegen nachtragend zu sein. Wenn Olaf Scholz beispielsweise als Finanzminister versagt hat mit seiner Finanzaufsicht bei wirecard und verlorenen 2 Milliarden oder mit den Eignern der Warburg-Bank, die er kannte, solange Dinge hinauszögert, bis 47 Millionen Steuerrückzahlung aus Cum-Ex-Geschäften verjährt sind, dann sagt das auch etwas auch über seinen Regierungsstil in höherer Position.

    Sie bringen die Menschen zum Lachen – worüber kann sich Mathias Richling denn so richtig amüsieren und herzhaft lachen?
    Testen Sie es aus. Die Möglichkeiten sind sehr breit gestreut und lassen sich nicht so einfach erzählen.

    Im Jahr 2020 erlebten Sie einen heftigen Shitstorm nach einer umstrittenen Corona-Aussage in der ARD-Sendung bei Sandra Maischberger. Eine provokante Frage von Ihnen war: „Ist es wirklich richtig, die Wirtschaft zu ermorden, um so wenig Corona-Infizierte wie möglich zu haben?“ Mussten Sie nicht mit Gegenwind rechnen?
    Ich MUSSTE nicht rechnen mit Gegenwind. Ich WOLLTE rechnen mit Gegenwind. Denn meine Aufgabe ist es vor allem, Denkanstöße zu bieten und mit anderen Gedanken vielleicht eine andere Relation deutlich zu machen. In diesem Fall ging es mir darum, nicht die Antwort zu geben, sondern, wie Sie sagen, die Frage zu stellen, ob bei einer Aussage von RKI und WHO, wonach 85% der Infizierten keine Symptome haben, die Zahl der Schwerkranken bei circa 4 bis 5% und die Sterberate in Deutschland bei 0,1% liegt, es wirklich richtig ist, undifferenziert das gesamte Land lahmzulegen. Denn die Antwort müsste auch beinhalten, was Herr Schäuble und die Welthungerhilfe mehrfach angemahnt haben. Nämlich dass es durch unterbrochene Lieferketten wegen Corona-Maßnahmen Millionen von Hungertoten geben wird. Es war eine Frage, die ich gerne beantwortet bekommen hätte. Aber es ist typisch für diese Zeit, dass bereits auf Fragen hysterisch reagiert wird, als hätte man falsche Fakten verbreitet.

    Hinterlassen solche öffentlichen Angriffe Spuren an der Person, am Menschen Mathias Richling? Wie verarbeiten Sie derartige Verbal-Attacken und Hass-Kommentare?
    Erstens nein. Und zweitens muss man in der heutigen Zeit wissen, dass man nichts ist ohne Shitstorm. Es verschafft Aufmerksamkeit und Präsenz und gibt einem die Möglichkeit, selbst zu shitstormen, und so sich mit den gleichen Waffen zu wehren, mit denen man angegriffen wird. Oder auch einfach zu schweigen.

    Herr Richling, wir wollen nicht uncharmant erscheinen, jedoch die Frage sei erlaubt: Sie sind in einem Alter, wo die meisten Menschen sagen: Schluss mit all dem Stress, ich gehe in Rente und genieße meine Freiheit – denken Sie auch darüber nach?
    Wäre ich Anwalt oder Schalterbeamter geworden, hätte ich als Hobby vermutlich Texte geschrieben und wäre in meiner Freizeit als Kabarettist aufgetreten wie andere in ihrer Freizeit im Gesangsverein sind oder im Schießsportzentrum. Jetzt habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Damit genieße ich schon a priori seit Jahrzehnten meine Freiheit und meine Freizeit und Hobbys bringen ja in der Regel auch keinen Stress mit sich. Jetzt soll ich mich noch mehr entspannen und noch mehr Freiheiten haben? Wovon reden Sie eigentlich? Und was meinen Sie mit ‚Alter‘? (Fotos: Lanju Fotografie, Raefael Krötz); Interview: Comödie/M.R.